Medikamentöse Therapie

Aducanumab

Aufgrund der steigenden Zahl an Demenzfällen und dem Fehlen von Medikamenten, die auf die grundlegenden Mechanismen der Krankheit einwirken, besteht ein großer Bedarf an sicheren und wirksamen neuen Behandlungen. Bei Aducanumab handelt es sich um einen Wirkstoff, der in den USA unter dem Medikamentennamen Aduhelm zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit zugelassen ist (Zulassung durch Arzneimittelbehörde FDA im Juni 2021, mit der Bedingung einer erneuten Bestätigungsstudie bis 2030). Die Zulassung des Medikaments wurde kontrovers diskutiert, da die klinischen Studien widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Aufgrund der starken Nebenwirkungen (Desorientierung, Sehstörung, Hirnödeme etc.) und der nicht ausreichend nachgewiesenen Wirksamkeit, wurde das Medikament in der EU nicht zugelassen.

 
Quellen

Crenezumab

Crenezumab wurde erstmals an Studienteilnehmenden getestet, die noch keine, allerdings aufgrund einer genetischen Disposition sehr sicher an Demenz erkranken werden oder lediglich leichte Symptome haben. Crenezumab erwies sich als gut verträglich. Allerdings bewiesen kürzlich Studien, dass es keinen statistisch signifikanten klinischen Nutzen des Medikaments gibt.

 

Quellen

Gantenerumab

Gantenerumab wurde bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung aufgrund von Alzheimer und leichter Alzheimer-Demenz untersucht. Der entwickelte Antikörper Gantenerumab richtet sich gegen Ablagerungen im Gehirn und sollte das Fortschreiten der Demenz aufhalten. In den Phase-III-Studien GRADUATE-I und –II an rund 2000 Teilnehmenden konnten keine statistisch signifikanten Ergebnisse bezüglich der Verlangsamung des Verfalls nachgewiesen werden, wie der Hersteller Roche dies am 14.11.2022 bekannt gab.

 

Quellen

Geringwertige Versorgung (Low-value Care)

Geringwertige Versorgung wird definiert als Versorgung, die unter Berücksichtigung der Präferenzen des Patienten, möglicher Schäden, Kosten oder verfügbarer Alternativen wahrscheinlich keinen Nutzen für den Patienten bringt (z.B. medizinische Überversorgung etc.). Eine Untersuchung anhand von 516 Menschen mit Demenz zeigte, dass 31% der Betroffenen eine geringwertige Versorgung erhielten. Um geringwertige Versorgungsmaßnahmen angeben zu können, orientierte sich die Studie an demenzspezifischen Leitlinien, der „Choosing-Wisely“-Kampagne und der PRISCUS Liste der potentiell inadäquaten Medikationen im Alter. Weiterhin ergab sich, dass Menschen mit Demenz, die geringwertige Versorgung erhielten, eine niedrigere Lebensqualität und ein höheres Risiko für Krankenhausaufenthalten aufwiesen. Somit sollte diese Art der Versorgung schnellstmöglich erkannt und ersetzt werden.